Sonntag, 13. September 2015

[SETTING SUNDAY] #1 Der Cthulhu-Mythos


Herzlich willkommen zu meinem ersten SETTING SUNDAY. Ab heute werde ich euch am zweiten Sonntag jedes Monats das Setting einer Romanreihe, eines Franchises, zu dem auch Bücher gehören, oder vielleicht auch einmal eines einzelnen Romans vorstellen. Außerdem seid ihr eingeladen, ebenfalls ein Setting eurer Wahl vorzustellen.

Den Anfang macht diese Woche der Cthulhu-Mythos, der - wie ich euch später noch zeigen möchte - heute vielleicht präsenter ist, als ihr denkt.


Lovecraft (1934)
Doch fangen wir am Anfang an. Seinen Ursprung hat der Cthulhu-Mythos im Werk des Horror-Großmeisters Howard Phillips Lovecraft (1890-1937). Lovecraft war Autor von Fantasy-, Science Fiction- und vor allem Horror-Geschichten, die zu seinen Lebzeiten primär in Pulp-Magazinen wie der Zeitschrift Weird Tales erschienen. Viele seiner Geschichten passen thematisch gut zu einander. August Derleth, der die ersten Lovecraft-Geschichten in Buchform verlegte, prägte für diese Geschichten dann den Begriff Cthulhu-Mythos. Cthulhu ist eins der Wesen aus Lovecrafts Geschichten. Doch dazu später mehr. Außerdem muss man wissen, dass Lovecraft zu seinen Lebzeiten gut "vernetzt" war. Er stand in regem Briefkontakt mit Robert Bloch, Robert E. Howard, Clark Ashton Smith und anderen Autoren. Zum Teil benutzten Lovecraft und diese Autoren die gleichen Namen für Wesenheiten in ihren Geschichten, ohne damit zwangsweise das Gleiche zu meinen. Derleth setzte diese Wesenheiten nun aber gleich und erklärte damit die Geschichten der anderen Autoren als dem Kanon des Cthulhu-Mythos zugehörig. Außerdem schrieb Derleth auch selbst Mythos-Geschichten, durch die er den Mythos abermals erweiterte. Seitdem ist kein Jahrzehnt (und wohlmöglich sogar kein Jahr) vergangen, in dem nicht verschiedene Autoren den Mythos erweitert haben. Nennenswert sind in diesem Zusammenhang vor allem Lin Carter, Colin Wilson, Brian Lumley, Robert Chambers, Ramsey Campbell und Tim Curran. Auch der deutsche Autor Wolfgang Hohlbein hat mit seinem "Hexer"-Zyklus Mythos-Geschichten geschrieben. Allerdings würde ich diese Geschichten nicht unbedingt als kanonisch ansehen.

Nachdem wir die Entstehungsgeschichte nun grob beleuchtet haben, stellt sich natürlich die Frage, worum es in den Geschichten geht. Das zentrale Element des Cthulhu-Mythos ist der kosmische Schrecken. In diesen Geschichten ist der Mensch keineswegs die Krone der Schöpfung, sondern eine der unbedeutendsten Rassen, die es im Universum gibt. Auch die "guten", von den Menschen verehrten Götter (Jahwe, Allah,...) spielen in den Geschichten keine Rolle. Die wahren Götter des Kosmos, wie er im Cthulhu-Mythos beschrieben wird, sind die äußeren Götter und die Großen Alten. Die äußeren Götter sind die tatsächlichen Götter und verkörpern grundlegende Prinzipien wie das Chaos. Die Großen Alten sind im Prinzip "nur" mächtige, außerirdische Wesenheiten, kommen aber dem, was man landläufig unter "Göttern" versteht, sehr nahe. Im Prinzip sind diese Wesenheiten weder gut noch böse. Jedoch verfolgen sie ihre eigenen Pläne, bei denen sie, da sie so weit über dem Menschen stehen wie der Mensch über Fliegen oder Bakterien, die Auswirkungen auf die Menschen ignorieren. Somit ist das, was sie tun, meist "böse" für die Menschen.

Lovecrafts Cthulhu Skizze
Der bekannteste, aber keineswegs bedeutendste, Große Alte ist Cthulhu. Von daher ist der Begriff Cthulhu-Mythos auch eigentlich gar kein treffender Name für das gesamte Setting, aber es ist halt der Name den August Derleth gewählt hat und der sich durchgesetzt hat. Über Cthulhu heißt es in Lovecrafts Geschichte "Cthulhus Ruf" (engl. The Call of Cthulhu) in einer von Lovecraft erfundenen Sprache: "Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn." - "In seinem Haus in R’lyeh wartet träumend der tote Cthulhu." Cthulhu kam vor mehreren hundert Millionen Jahren auf die Erde und wird nun durch einen Fluch in einem schlafähnlichem Zustand in der versunkenen Stadt R'lyeh am Grunde des Pazifischen Ozeans gehalten. Durch seine Träume kann er Menschen (seine Kultisten) beeinflussen und eines Tages, wenn die Sterne richtig stehen, wird er wieder auferstehen, was dann nicht weniger als das Ende der Welt, wie wir sie kennen, zur Folge haben wird. Ein weiterer Satz aus dieser Geschichte, der einem möglicherweise als Zitat begegnen könnte ist dieser: "Iä! Iä! Cthulhu fthagn!", was soviel heißt wie: "Freut euch! Freut euch! Cthulhu schläft."

Noch präsenter als der Name Cthulhu ist aber wohl ein anderer Name, den wahrscheinlich einige von euch schon einmal gehört haben. Es ist der Name eines fiktiven Buches, das in verschiedenen Mythos-Erzählungen vorkommt. Dieses Buch ist das Necronomicon. Innerhalb des Cthulhu-Mythos ist es ein Buch, das der verrückte Araber Abdul al-Hazred geschrieben hat und aus dem sich viel über verschiedene Wesenheiten lernen lässt, wenn man beim Lesen nicht verrückt wird.

Ich hatte ja eingangs erwähnt, dass der Cthulhu-Mythos mittlerweile auch außerhalb der Bücher eine große Verbreitung gefunden hat. Zum Beispiel gibt es den Bereich der Rockmusik. Eine Vielzahl von Liedern verschiedener Bands ist vom Mythos inspiriert. Bekannte Beispiele sind "Ktulu" und "The thing that should not be" von Metallica. Natürlich gibt es auch einige Verfilmungen. Vor allem der Spiele- und Merchandise-Sektor haben aber den Mythos in den letzten Jahren für sich entdeckt. Es gibt eine Vielzahl von Brett-, Karten- und Rollenspielen mit Mythos-Themen und jedes Jahr werden es mehr.

Soweit mein grober Überblick über den Cthulhu-Mythos. Sämtliche Werke Lovecrafts, die zum Cthulhu-Mythos gehören, sind in zwei Taschenbuchbänden im Festa Verlag erschienen. Auch für weitere Mythos-Geschichten in deutscher Übersetzung ist der Festa Verlag im Moment die beste Anlaufstelle. Gute Quellen für Hintergrundinformationen zu diesem Thema sind folgenden Wikis: Lovecraft Wiki und Yog-Sothoth Wiki. Seit kurzem gibt es auch eine deutsche Wiki, die aber noch nicht wirklich viel Inhalt hat. Natürlich dürft ihr aber gerne auch die Kommentarfunktion nutzen, um mir Fragen zu stellen.

Das war es von mir. Ich hoffe, ihr fandet meine Ausführungen interessant.

Wenn ihr heute einen eigenen Beitrag zu einem Setting verfasst habt, dann her mit dem Link!

Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    danke für die tollen Erläuterungen zu Cthulhu. Ich wollte schon immer wissen, was/wer sich hinter dem unaussprechlichen Namen verbirgt. Kennst du eigentlich die Kurzgeschichte "I, Cthulhu" von Neil Gaiman? Die ist auf seiner Webseite zu lesen. I Cthulhu
    Ich bin auf den Cthulu Mytos witzigerweise über das Häkeln gestoßen. Es schwirren eine Menge gehäkelte grüne Männchen mit seltsamen Tentakeln am Mund durch das Netz und ich fragte mich, was wohl dahinter stecken mag. Häkel-Cthulhu
    Liebe Grüße
    loralee

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    1. Hi Loralee,

      einen Häkel-Cthulhu habe ich natürlich auch. Besser gesagt sogar zwei. Einen davon siehst du hier als Flavicon.

      Ja, die Geschichte kannte ich schon. Gaiman hat noch einige weitere kurze Mythos-Geschichten geschrieben. Zu "Study in Emerald" gibt es mittlerweile sogar ein Brettspiel.

      LG,
      André

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    2. Jetzt hab ich's erkannt! Ich dachte, es wäre ein kleiner Buddha oder Muck.:-) Ich lese ungern Kurzgeschichten, daher sind mir diese durchgerutscht. Dann werde ich mal den Herrn Gaiman einen Besuch abstatten und nach den Mythos Geschichten suchen.

      LG
      loralee

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  2. Hallo André,
    ein echt toller Berichte! Die beiden Taschenbücher von Festa durfren vor kurzem bei mir einziehen, irgendwie hatte ich noch keine wirkliche Sammlung der Geschichten. Was mich am Anfang wirklich beschäftigt hat war die banale Frage wie man Cthulhu eigentlich aussprechen soll ;)
    Michael Dissieux hat in seiner Reihe "Die Legende von Arc's Hill" auch den Cthulhu-Mythos mit verarbeitet, es gibt die großen Alten und das Necronomicon und eine sehr schaurige Geschichte dazu! Hier findest du meine Rezi zu Teil 1. In der zwischenzeit sind die ersten 3 Teile auch als Printedition erschienen :)

    Liebe Grüße

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  3. Ich liebe H.P. Lovecraft :) Mich hat der ganze Mythos schon als Kind fasziniert. Lovecraft war überhaupt der allererste Horrorschriftsteller, von dem ich etwas gelesen habe. Sozusagen eine richtige Einstiegsdroge :D Die "Chronik des Cthulhu-Mythos" habe ich mir auch gekauft.

    Liebe Grüße
    Katharina

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