Dienstag, 31. März 2015

[INTERVIEW] Christian Sußner

Christian Sußner ist zusammen mit seinem Bruder der Autor des Fantasy Spielbuchs "Das Feuer des Mondes", das im Dezember 2014 im Mantikore Verlag erschienen ist. Die Rezension zum Buch findet ihr hier. Freundlicherweise hat Christian sich die Zeit für ein Interview mit der Bibliothek von Imre genommen.

Die Autoren von DAS FEUER DES MONDES
Christian (li.) und Florian (re.) Sußner

Hallo Christian! Ich freue mich, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Bevor wir in medias res gehen eine ganz einfache Frage. Heißt du eigentlich Sussner oder Sußner? Man liest den Namen mal so und mal so.

Hi André! Die Freude ist ganz auf meiner Seite! Das mit unserem Nachnamen ist so eine Sache. Der wird sehr oft falsch geschrieben. Der Kreativität ist keine Grenzen gesetzt: Sehr beliebt ist Süßner. Im Ausland wird es zu Subner. Wir haben aber auch schon viele andere Varianten gelesen.
Bei der Frage, ob „ß“ oder „ss“ genommen wird, ist es uns daher eigentlich fast egal, so lange der Rest stimmt. Richtig ist „ß“, aber unser Onkel zum Beispiel schreibt sich mit „ss“, und wir sprechen das „u“ vor dem „ß“ auch kurz aus, so dass nach der neuen deutschen Rechtschreibung wohl eigentlich „ss“ richtig wäre.
Wusstest du, dass die Schwaben zu dem „ß“ Dreierles-S sagen? Das finde ich großartig.

Nein, das wusste ich noch nicht. Nachdem das geklärt ist, können wir jetzt ja zu den „anspruchsvolleren“ Fragen kommen. Warum ein Spielbuch und kein Roman?

Gute Frage. Es war nicht so, dass wir das konkret geplant hätten. Wir haben vorher Kurzgeschichten geschrieben, da wäre eigentlich ein Roman der logische nächste Schritt gewesen. Wir haben dann aber „einfach mal so“ mit einem Spielbuch angefangen, das wurde dann immer ernsthafter und ambitionierter und irgendwann war es dann so weit, dass wir es fertig machen wollten.

Du hast das Buch ja nicht alleine geschrieben, sondern zusammen mit deinem Bruder. Erzähl doch bitte ein wenig darüber, wie das praktisch abgelaufen ist!

Das ging echt gut, es war sogar eine Art Garantie, dass wir das Projekt auch wirklich abschließen. Das Buch ist ja in drei Teile aufgeteilt. Teil 2 hat mein Bruder geschrieben, Teil 3 habe ich geschrieben, und in Teil 1 – wo der Plot vorangetrieben wird – hat immer der geschrieben, der gerade Zeit hatte. Es war dann auch sehr hilfreich, dass wir untereinander gut kritisieren können, ohne dass der andere beleidigt ist. Da gibt es eine breite Vertrauensbasis, die wir vielleicht mit „fremden“ Autoren nicht hätten. Einmal habe ich zum Beispiel Nächtelang ein neues Kampfsystem ausgeklügelt, das Florian nicht gut fand. Es war gut, dass er das einfach gesagt hat und da nicht diplomatisch war. Zu viel Höflichkeit ist bei solchen Prozessen wenig hilfreich. 

Wie hat sich die enge Zusammenarbeit auf euer Verhältnis ausgewirkt?

Gut. Wir sind beide in den letzten Jahren ein bisschen durch Deutschland und Europa getingelt. Als mein Bruder endlich wieder in Nürnberg war, bin ich gerade von England nach Ulm gezogen, später nach Stuttgart. Wir haben uns da sehr selten gesehen, und wir sind beide nicht so die Telefonierer oder Schreiber, wenn es keinen Grund dafür gibt. Es gab aber dann immer das Spielbuch, weswegen wir uns regelmäßig abstimmen mussten.

Mein Lieblingsmechanismus im Buch ist der Teleportationsring, der es erlaubt auf einfache Weise Orte ein zweites mal aufzusuchen. Wer hatte diese praktische Idee?

Ich (lacht). Bei vielen Sachen war es so, dass sich einer irgendwann gedacht hat „eigentlich nervt es, dass …“ oder „warum kann man eigentlich nicht …“ und sich dann eine Lösung überlegt hat. So war es bei dem Ring: Uns war es wichtig, dass man zu jeder Lichtung zurückkehren kann, an der man schon mal war. Bin ich jetzt gerade im Westen, und will dann zum Händler ganz nach Osten, dann ist es ein ganz schönes Geblättere, wenn ich nicht mogeln will, ohne dass ich was davon habe. Ich selber habe es beim Probespielen dann immer so gemacht, dass ich gesprungen bin. Da war dann die Überlegung: Kann man das nicht so gestalten, dass der Spieler „offiziell“ springen kann?
Außerdem fanden wir es cool, einen Gegenstand zu erhalten, der einem eine besondere Fähigkeit gibt. 

So ähnlich war das zum Beispiel auch bei dem Orakel des Fei. Wir hatten Lust, so etwas wie einen Orakelspruch einzubauen, der vielleicht nicht sofort selbsterklärend ist, im Laufe des Abenteuers dann aber klarer wird. Also haben wir das einfach gemacht.

Mit dem Teleportationsring und der Karte habt ihr einige frustrierende Situationen, die sich bei anderen Spielbüchern ergeben umgangen. Offenbar habt ihr also aus den Fehlern anderer Spielbücher gelernt. Welche Spielbücher und/oder Rollenspiele haben dich beeinflusst?

Am stärksten sicherlich die ganzen Fighting Fantasy Bücher. Der Hexenmeister vom flammenden Berg, Sorcery!, Sumpf der Skorpione. Dann natürlich auch Einsamer Wolf. Bei der Entstehung des Buchs haben wir eine ganze Reihe weiterer Bücher gelesen, um zu sehen, was andere Autoren noch so gemacht haben. Gerade auf Englisch gibt es ja unendlich viele Serien. Wir haben uns natürlich auch die neuen Sachen im Mantikore-Verlag angesehen.

Welche Bücher, Filme, Musik haben dich sonst noch beeinflusst?

In erster Linie natürlich die, die wir schon in der Bibliographie nennen. Ich denke die prägendsten waren Computerspiele wie Diablo I und II, dann natürlich die ganzen Fantasy-Klassiker wie Herr der Ringe, Sword of Truth, auch Eragon usw. Und: Blues Brothers – ohne Mist, der Film hat auch für „Das Feuer des Mondes“ eine gewisse Vorbildfunktion gehabt.

Im Nachhinein sind und noch ein paar Sachen eingefallen, die wir gerne irgendwie eingebaut hätten, die aber leider keinen Platz mehr gefunden haben. Vielleicht im nächsten Teil? Definitiv fehlt zum Beispiel ein Bezug auf Army of Darkness und Freddy Kruger. Auch Masters of the Universe hätten wir eigentlich noch einbauen müssen.

Ich habe auf eurer Website gelesen, dass ihr auch Lesungen macht. Wie muss ich mir eine Lesung aus einem Spielbuch vorstellen?

Interaktiv! Wir steigen in die Story ein und erleben erste Abenteuer mit den Lesern, die natürlich entscheiden müssen, wie es weitergeht, die Würfel werfen, etc. Sehr viel schafft man natürlich in einer Lesung nicht, aber für zwei-drei Lichtungen reicht es schon. Macht jedenfalls großen Spaß, und wir freuen uns auch über Anfragen zu Lesungen. Übrigens warten wir noch darauf, bei einer Lesung das erste Mal zu sterben!

Gibt es Pläne die Welt, die ihr für „Das Feuer des Mondes“ erschaffen habt weiter zu verwenden, z.B. in einem zweiten Spielbuch, einem Rollenspiel oder einem Roman?

Grundsätzlich Ja. Das Thema Fortsetzung von Das Feuer des Mondes ist noch nicht vom Tisch. Ich kann mir auch vorstellen, dass es Romane in der Welt geben wird, aber mal sehen. Es gibt immer so viele Projekte und so wenig Zeit!

Ich habe gehört, dass ihr schon an einem neuen Projekt arbeitet. Was kannst du uns zu diesem Zeitpunkt darüber erzählen?

Ach, da gibt es ein paar Geschichten. Auch wenn wir uns momentan eher auf Buch-Marketing konzentrieren, haben wir beide verschiedene Sachen in der Pipeline. Ich habe gerade zwei Sachen gemacht, die mit Fantasy nicht viel zu tun haben. Das eine war ein Kurzkrimi für eine Anthologie, das andere eine Übersetzung eines philosophischen Textes für eine Zeitschrift. Das war alles mal eine schöne Abwechslung. Florian hat ja eh permanent alle möglichen Theaterprojekte laufen, aktuell schreibt er zum Beispiel ein neues Kulinartheater, das im Herbst Premiere haben soll. Dann hat er vor Kurzem mal einen Entwurf geschickt für dann doch wieder ein neues Spielbuch, aber in einem ganz anderen Konzept und auch ohne Fantasy, mal sehen was daraus wird. Ja, und ein Roman ist auch im Hinterkopf, ist das aber schon seit zwei Jahren und geht nicht so recht voran. Liegt vielleicht auch daran, dass wir zu viele Projekte haben (lacht).

Vielen Dank für das Interview!

Montag, 30. März 2015

[INTERVIEW] Daniel Illger

Daniel Illger ist der Autor von "SKARGAT - Der Pfad des schwarzen Lichts", das im Februar 2015 bei Hobbit Presse/Klett-Cotta erschienen ist. "SKARGAT" ist sein Erstlingswerk. Eine Rezension zum Buch findet ihr hier. Freundlicherweise stand Daniel der Bibliothek von Imre für ein Interview zur Verfügung.

Hallo Daniel! Erst einmal vielen Dank, dass du dir neben deiner regulären Arbeit und der Arbeit an deinem zweiten Buch Zeit für dieses Interview nimmst. Auf deine reguläre Arbeit möchte ich gleich noch zu sprechen kommen aber vorher hätte ich noch eine andere Frage. Wie bist du auf die Idee gekommen überhaupt einen Roman zu schreiben?


Es war mir schon in der Kindheit ein Anliegen – oder eigentlich eine Lebensnotwendigkeit – Geschichten zu erzählen. Mit sieben oder acht Jahren habe ich mit Rollenspiel angefangen, dann eine Weile lang Comics gemalt. Mir wurde aber recht früh klar, dass ich vor allem schreiben will.

Viele Fantasyautoren sind oder waren Rollenspieler und viele Rollenspieler schreiben. Was meinst du, warum das so ist? Hilft das Rollenspiel beim Schreiben?


Meine erste Begegnung mit tolkienesken Welten hat im Rollenspiel stattgefunden. Ich vermute, dass es vielen jüngeren Fantasyautoren ähnlich geht. Ob Rollenspiel allgemein beim Schreiben hilft, weiß ich nicht. Ich persönlich kann allerdings behaupten, vor allem als Spielleiter einiges gelernt zu haben, was mir bei auch bei SKARGAT zugute kam. Das betrifft etwa Dialogführung und die Gestaltung von atmosphärisch intensiven Szenen.

Hauptberuflich bist du ja Filmwissenschaftler. Hat dich dieser Hintergrund beim Schreiben von SKARGAT beeinflusst? Wenn ja, wie?


Bei meiner Arbeit an der Freien Universität habe ich sehr viel Gelegenheit gehabt, darüber nachzudenken, wie Erzählen funktioniert: Erzählen in Bildern und mit Sprache. Ich denke, dass das mein Bewusstsein dafür geschärft hat, was ich als Autor will. Darüber hinaus war ich in der glücklichen Situation, die Themen meiner Lehrveranstaltungen meistens selbst aussuchen zu können. Ich habe diese Freiheit genutzt, um unter anderem Seminare über das italienische Horrorkino, die Figur des Vampirs oder Exploitation- und Trashfilm anzubieten. Bei der Recherche für diese Seminare bin ich mit vielen Filmemachern, Autoren und Theoretikern in Berührung gekommen, die mir sonst vermutlich unbekannt geblieben wären. Eine große Entdeckung war für mich beispielsweise der französische Regisseur Jean Rollin, der einige der merkwürdigsten Vampirfilme aller Zeiten gedreht hat.

Ich habe im Internet gelesen, dass eines deiner Forschungsinteressen die Genretheorie ist. Mit SKARGAT hältst du dich nicht an etablierte Genregrenzen, sondern vermischt Fantasy und Gespenstergeschichten. Ist das zufällig so entstanden oder war es eine bewusste Entscheidung?


Das war in der Tat eine bewusste Entscheidung. Sie hatte allerdings nichts mit wissenschaftlichen Erwägungen zu tun. Es ist einfach so, dass ich schon immer eine Vorliebe für Horror hatte, insbesondere Gothic-Horror. Und irgendwann ist mir aufgefallen, dass die eigentlich naheliegende Mischung zwischen High Fantasy und Gothic-Horror ganz und gar nicht gängig ist. Von diesem Zeitpunkt an hat mich der Wunsch umgetrieben, beide Genres miteinander zu verschmelzen.

Ich meine in SKARGAT einige lovecraftschen Motive entdeckt zu haben. Sehe ich das richtig?


Ja, das ist richtig. Die Leichenfresser sind meine Interpretation der Ghouls aus „Pickman’s Model“ und vor allem „The Dream-Quest of Unknown Kadath“.

Ich bin selbst auch ein großer Lovecraftfan. Was fasziniert dich an Lovecrafts Werk? Inwiefern hat es dich (literarisch) beeinflusst?


Was mich an Lovecraft am meisten fasziniert ist die Idee, dass das wahre Grauen nicht einfach unser Leben bedroht, sondern unsere Vorstellung davon, wie das Universum beschafften sei, in ihren Grundfesten erschüttert. Bis zu dem Punkt, wo selbst Raum und Zeit nicht mehr verlässliche Größen darstellen, sondern die ihnen innewohnende Dämonie offenbaren. Lovecraft nennt das „Kosmischen Horror“. Das Tolle ist nun, dass sich der Kosmische Horror nicht nur mit der größten Angst verbindet, sondern zugleich mit dem größten Glück: Denn Raum und Zeit schlagen uns ja auch in Ketten, indem sie uns ihre Regeln und Gesetzmäßigkeiten aufzwingen. Somit ist es eine – wenngleich schwindelerregende und grausige – Befreiung, die Grenzen ihrer Gültigkeit zu erfahren.

Gibt es sonst noch literarische Einflüsse, die dir bewusst sind? Oder vielleicht Filme oder Musik, die dich beeinflusst haben?


Eine meiner prägendsten frühen Leseerfahrungen war Stephen Kings Erzählband NIGHT SHIFT. Der erste Fantasy-Autor, der mich nachhaltig beeindruckt hat, war Robert E. Howard. Später habe ich dann für lange Zeit überhaupt keine Fantasy gelesen, sondern vor allem Autoren, die als Klassiker der Weltliteratur gelten. Von diesen haben mich vor allem Dostojewski, Faulkner, Camus, García Márquez, Dickens und Thomas Mann geprägt. Das Erweckungserlebnis in Sachen Fantasy war für mich, wie bei so vielen, die Lektüre der ersten Bände von A SONG OF ICE AND FIRE. Seit ich Martin gelesen habe, weiß ich, was Fantasy kann: nämlich alles.

Was das Kino betrifft: Da habe ich eine besondere Schwäche für italienische Genrefilme der 60er und 70er Jahre. Meines Erachtens verdanken wir Mario Bava, Dario Argento und Lucio Fulci die poetischsten Horrorfilme, die jemals gedreht worden sind. Ich liebe aber auch die Gialli, Polizeifilme und Western. Ganz allgemein sind meine Lieblingsgenres wohl der Horror- und Gangsterfilm in ihren verschiedenen Spielarten. Fantasyfilme gibt es leider nur wenige, die mich wirklich begeistert haben.

Lass uns noch ein wenig auf SKARGAT eingehen. Mit welcher Figur kannst du dich am ehesten identifizieren und warum?


Ich glaube, ich identifiziere mich immer am meisten mit der Figur, über die ich gerade schreiben. Lieblinge habe ich eigentlich keine. Die Figuren sind mir alle sehr ans Herz gewachsen, ich kann mich aber auch sehr über sie ärgern.

Ist das Buch so geworden, wie du es dir vorher vorgestellt hast als du mit dem Schreiben begonnen hast oder ist es ein ganz anderes Buch geworden?


Ich gehöre zu den Autoren, für die das Schreiben wie eine Reise in ein fremdes Land ist: Man hat im Vorfeld vielleicht einiges gelesen, Karten studiert, kennt – wenn man Glück hat – die Sprache, doch man weiß niemals wirklich, was einen erwartet. Mir macht die Sache am meisten Spaß, wenn ich meiner Geschichte und meinen Figuren erlaube, mich zu überraschen. Dann können die Dinge durchaus eine Wendung nehmen, die ich nicht vorausgesehen habe. Natürlich braucht man einen Plan, aber vorher bis ins Detail durchkonzipierte Kapitel abzuarbeiten – das wäre nichts für mich.

Du arbeitest ja schon fleißig an der Fortsetzung. Wird die Geschichte mit dem zweiten Band beendet sein oder soll es eine Trilogie oder gar eine Reihe werden?


Zum jetzigen Zeitpunkt ist das schwer zu entscheiden. Wie gesagt: Ich lasse mich gerne von meinen Figuren überraschen. Was ich allerdings schon sagen kann, ist, dass ich versuchen werde, mit zwei oder drei Bänden an einen Punkt zu kommen, wo die erste Hauptgeschichte abgeschlossen ist.

Kannst du schon irgendwas über Band 2 erzählen? 


Im zweiten Band möchte ich die Welt gerne ein Stück weiter auffalten. Es wird Kapitel geben, die in Ahekris spielen, ein Handlungsstrang wird in eine kleine Stadt am Fuß der Fokris-Berge führen, ein anderer nach Donost.

Weiterhin steht fest, dass es zwei neue Perspektivfiguren geben wird, die allerdings beide schon im ersten Band vorgekommen sind. Eine dieser Figuren wird der Totengräber sein, der Justinius im Gespenstergasthof aufgefallen ist. Fest steht auch, dass die Hintergrundgeschichten von Scara und vor allem Vanice eine Rolle spielen werden.

Über den Zeitpunkt der Publikation und den Titel kann ich leider noch nichts sagen. Aber wenn ich weiter so vorankomme wie bisher, sollte das Buch irgendwann im Winter 2015/16 abgabefertig sein.

Abschließende Frage: Wird das Cover von Band 2 eine Katze zeigen?

Nun, wenn man die wirklich wichtigen Figuren würdigen wollte, müsste Scaras Esel Schlappi abgebildet sein. Ich habe allerdings den Verdacht, dass es anders kommen wird.

Vielen Dank für das Interview!



[REZENSION] Der Thron von Melengar


Letzte Woche erschien mit "Der Aufstieg Nyphrons" der dritte Band von Michael J. Sullivans Riyria-Reihe. Damit folgt Klett-Cotta der ursprünglichen Einteilung, die Michael J. Sullivan bei der Veröffentlichung der 6-bändigen Reihe im Selbstverlag verwendete. Für mich ein guter Zeitpunkt einen Blick auf den Beginn der Reihe zu werfen.

"Der Thron von Melengar" ist der erste Band der High Fantasy Reihe. Im Mittelpunkt steht der Diebesbund Riyria. Dieser hat im Wesentlichen zwei Mitglieder: Hadrian und Royce. Während ersterer eher ein kampfstarke Schwertkämpfer ist, ist letzterer eher ein Schlösser knackender Schurke. Kaum, dass die Leser die Protagonisten kennen gelernt haben, geraten die beiden auch schon in massive Schwierigkeiten: Man versucht ihnen den Mord am König von Melengar in die Schuhe zu schieben. Doch genau so schnell, wie die Probleme auftauchen, taucht auch der erste auf, der sagt, ihnen helfen zu wollen und ehe die beiden sich versehen können, befinden sie sich im Zentrum einer Verschwörung um den Thron von Melengar.

Was hat mir gut gefallen?


Obwohl das Buch mit seinen knapp 380 Seiten zu den kürzeren Fantasywerken gehört, schildert der Autor eine detailreiche und glaubhafte Fantasywelt. Im Zentrum steht die menschliche Gesellschaft. Diese ist gut durchdacht. Alleine in Melengar gibt es drei verschiedene politische Strömungen. Auch die anderen klassischen Fantasyrassen - Elfen, Zwerge, Goblins - fehlen nicht. Über Zwerge und Goblins erfährt man nur wenig aber das, was man über die Elfen erfährt ist wenig klischeehaft. Der Plot ist spannend und bietet mehr als eine unerwartete Wendung. Gut gefallen haben mir auch die humorvolleren Momente.

Was hat mir weniger gut gefallen?


Im Prinzip gibt es nichts, das mir nicht gefallen hat. Die Erwähnung der klassischen Fantasyrassen hat mir kurzfristig Sorgen bereitet, da ich fürchtete, die Geschichte könnte sich in eine eher klischeehafte Richtung entwickeln. Dem ist aber nicht so. Wenn ich überhaupt etwas zu bemängeln habe, dann dass die Hauptcharaktere ein wenig mehr Tiefe vertragen könnten.

Wird das Buch dem Klappentext gerecht?


Auch wenn die Antwort auf diese Frage nichts über die Qualität des Buchs aussagt, finde ich die Frage doch immer interessant. Der Klappentext beginnt mit folgendem Zitat:

"Wenn dir 'Game of Thrones' von George R. R. Martin gefällt, dann lies Michael J. Sullivan."
(Reader's Connection)

Diesen Vergleich kann ich nicht nachvollziehen. Ja, beides ist Fantasy und in beiden Fällen spielt Politik eine Rolle aber das war es dann auch schon an Gemeinsamkeiten. Während Martin eine hoch komplexe Welt mit einer Vielzahl von Protagonisten füllt, schildert Sullivan die Abenteuergeschichte seiner zwei "Helden". Das ist nicht besser und nicht schlechter aber eine ganz andere Art von Buch. Mir gefällt in der Tat beides aber einen direkten Zusammenhang sehe ich da nicht.

Fazit


Mich hat "Der Thron von Melengar" sehr gut unterhalten. Das Buch bietet eine Abenteuergeschichte, die im großen Ganzen auch in einer unmagischen Welt spielen könnte. Dazu kommen wohl dosierte Fantasyelemente, die das ganze noch interessanter machen und die viele Möglichkeiten für die weiteren Bände bieten.

Wertung: 4,5/5 Sternen

Sonntag, 29. März 2015

[REZENSION] Fortunately, the Milk


"Fortunately, the Milk" - auf Deutsch erschienen als "Die verrückte Ballonfahrt in Professor Stegos Total-locker-in-in-der-Zeit-Herumreisemaschine" im Arena Verlag - ist ein Kinderbuch von Neil Gaiman mit Illustrationen von Chris Riddell. Wem Neil Gaiman ein Begriff ist, der wird sich vielleicht fragen, ob das Buch wirklich nur ein Kinderbuch ist. Werfen wir also einen etwas genaueren Blick auf das Buch.


Wer ist eigentlich dieser Neil Gaiman?


Er selbst beantwortet diese Frage so:

"Neil Gaiman ist ein weißer, männlicher Autor mit unordentlichen Haaren gefangen im Körper eines identischen weißen, männlichen Autors mit vielleicht noch weniger ordentlichem Haar. Seine Bücher und Comics haben viele Preise gewonnen. Er dankt ihnen für ihr Angebot eines Kamms aber er glaubt nicht, dass er ihm gut tun würde. Obwohl er Engländer ist, lebt er mehr im Amerika als irgendwo sonst auf der Welt, und er ist im Augenblick irgendwo in seinen Mittvierzigern."
(aus dem Vorwort zu Anansi Boys, 2005, übersetzt von mir)


Neil Gaiman, April 2013

Seine bekanntesten Werke sind aus meiner Sicht "Neverwhere", "Stardust", "American Gods" und die Comicreihe "Sandman". Auf deutsch erschien zuletzt sein Roman "Der Ozean am Ende der Straße".

Alle seine Werke lassen sich dem Bereich der Phantastik zuordnen, da er immer eine in irgend einer Weise magische Welt präsentiert. Dabei folgt er nie irgendwelchen Klischees sondern bietet seinen Lesern immer etwas Neues. 

Darüber schreibt Gaiman auch Drehbücher. Unter anderem hat er auch schon Episoden für die Kult-SciFi-Serie "Doctor Who" geschrieben.


Worum geht es in diesem Buch?


Wie uns bereits der Klappentext verrät, ist die Geschichte eigentlich ganz langweilig. Der Vater ist für ein paar Tage mit den Kindern allein und als eines Morgens keine Milch im Haus ist, geht er welche kaufen. Das ist alles. Mehr passiert nicht. 


Ist das wirklich alles, was in diesem Buch passiert?


Ja, das ist alles, was passiert. Allerdings erzählt der Vater bei seiner Rückkehr auch noch, was er in der Zwischenzeit, also auf dem Rückweg vom Milchkaufen, angeblich so alles erlebt hat. Er erzählt von Außerirdischen, Zeitreisen, sprechenden Dinos, Vampire, Piraten und auch von bunten Ponys. 


Was ist mit den Zeichnungen?


Die Zeichnungen stammen von Chris Riddell. Dieser ist Illustrator, Zeichner von politischen Cartoons und gelegentlich auch selbst Kinderbuchautor. Auch er wurde mehrfach für sein Werk ausgezeichnet. 
In "Fortunately, the Milk" findet man auf fast jeder Doppelseite eine Zeichnung. Die schwarz-weiß Zeichnungen sind witzig und detailliert. Sehr gelungen ist insbesondere die Darstellung des Vater, der nicht wenig an Neil Gaiman erinnert.

(Es gibt auch noch eine amerikanische Ausgabe die andere Illustrationen - von Skottie Young - verwendet.)


Meine Meinung zum Buch


Mir hat "Fortunately, the Milk" sehr gut gefallen. Die Geschichte ist herrlich abgedreht und unterhaltsam. Mittlerweile sind viele Geeks und Nerd in dem richtigen Alter um Kinder zu haben, die mit geekigen Themen wie Zeitreisen groß werden und Piraten und Dinos mag ja eh jedes Kind. Aus meiner Sicht ein tolles Buch zum Vorlesen aber auch zum Selbstlesen für junge (Erst-)Leser. Ich denke ich werde dieses Buch in Zukunft häufiger verschenken - für die Kinder dann aber natürlich in der deutschen Fassung.

Wertung: 5/5 Sternen

(Das Bild von Neil Gaiman stammt von Kyle Cassidy und wird unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0 verwendet.)

Donnerstag, 26. März 2015

[VORSCHAU] Kommende Rezensionen und Interviews

Diese Woche ist das neue Buch von Judith C. Vogt erschienen.


"Die Geister des Landes - Aus der Tiefe" ist der dritte und finale Band ihrer Jugend-Nerd-Eifel-Mythen-Trilogie. Ein Exemplar ist auf dem Weg zu mir. Ich freue mich schon auf die Lektüre und ihr dürft euch auf die Rezension freuen. Aber nicht nur auf die Rezension! Begleitend zur Rezension wird es auch ein Interview mit der Autorin geben.

Aber es wird nicht bei diesem einen Interview bleiben! Desweiteren dürft ihr euch auch auf Interviews mit Daniel Illger (SKARGAT) und Christian Sussner (Das Feuer des Mondes) freuen!

Mittwoch, 25. März 2015

[REZENSION] Die Musik der Stille


DIE MUSIK DER STILLE (engl. The Slow Regard of Silent Things) ist ein kleines Büchlein (S. 173) von Patrick Rothfuss. Es ist in der selben Welt angesiedelt wie seine Königsmörder-Trilogie (DER NAME DES WINDES + DIE FURCHT DES WEISEN + noch nicht veröffentlichter dritter Band). Es beschäftigt sich ausschließlich mit einem aus der Trilogie bekanntem Charakter: Auri. Daraus ergibt sich, dass man die anderen Bücher gelesen haben sollte, bevor sich mit diesem beschäftigt. Doch werfen wir einen etwas genaueren Blick auf das Buch.

Was ist das besondere an diesem Buch?

Rothfuss hat eine seltsame Geschichte geschrieben und wie er im Nachwort deutlich macht, ist er sich völlig bewusst, dass die Geschichte alle Konventionen des Geschichtenerzählens ignoriert. Doch lassen wir ihn dazu selbst zu Wort kommen:

"Sie hat nichts von dem, was eine Geschichte normalerweise enthalten sollte. [...] Eine Geschichte sollte Dialoge enthalten, eine Handlung, einen Konflikt. Eine Geschichte sollte mehr als nur eine einzige Figur haben. Ich habe eine dreißigtausend Worte lange Vignette geschrieben!" (S. 166)


Das hat er gut erkannt und insofern ist es eine furchtbare Geschichte. Es ist eine schlechte Geschichte, weil die Geschichte fehlt.


Gibt es Gründe das Buch trotzdem zu lesen?

Durchaus. Zum einen schreibt Rothfuss auch hier in seinem wunderbaren, ausschweifenden und detailverliebten Stil. Zum anderen ist das Buch ein liebevolles Portrait eines sehr besonderen Charakters. Wer die Königsmörder-Bände gelesen hat, hat Auri als liebevolle, zarte, zerbrechliche Frau mit einem seltsamen Knacks kennen gelernt. Hier lernt man sie und ihren besonderen Blick auf die Welt noch besser kennen. Das Buch vermittelt eine ruhige Stimmung und hat fast etwas meditatives.

Fazit: Dies ist ein sehr besonderes Buch und ich kann die Leser, die es lieben, genau so gut verstehen wie die, die es furchtbar finden. Ich selbst habe mich lange über die fehlende Story aufgeregt, bis mich irgendwann die Stimmung gepackt hat. Hören wir mal, was Rothfuss selbst dazu meint:

"Diese Geschichte ist für all die leicht angeknacksten Leute da draußen. Ich bin einer von euch. Ihr seid nicht allein. Und in meinen Augen seid ihr alle schön." (S.173)

Dass Problem ist nur, dass man, bevor man das Buch gelesen hat, nicht wissen kann, ob man den passenden Knacks hat, um es gut zu finden.


Wertung: 0-5/5 Sternen


PS: Noch ein kleiner Kommentar zu zwei Punkten die in vielen anderen Rezensionen vorkommen. 
1.) Dies ist nicht der nächste Band in der Königsmörder-Trilogie. Das wurde aber auch nie behauptet. 
2. )Das Büchlein kostet 17,95 Euro. Das ist ein ganz normaler Preis für einen aktuellen, dünnen Hardcover-Band und keineswegs überteuert.

[REZENSION] SKARGAT - Der Pfad des schwarzen Lichts


"SKARGAT - Der Pfad des schwarzen Lichts" ist das Erstlingswerk des deutschen Autors Daniel Illger. Das Buch ist einer von jenen wenigen Fantasyromanen, die es wagen fern von Mainstream und Genregrenzen ihren eigenen Weg zu gehen. Weder Freunde von "Mensch, Elf und Zwerg retten die Welt" noch von "Mädchen verliebt sich in Vampir" werden mit diesem Buch glücklich werden. Wer jedoch anspruchsvolle deutsche Fantasy à la Tobias O. Meißner, Markolf Hoffmann oder Christian von Aster mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Doch worum geht es?

Da Skargat ein Buch ist bei dem man leicht zuviel verrät, werde ich diese Frage ausnahmsweise mal mit dem Klappentext beantworten. "In einem abgelegenen Dorf lebt der Außenseiter Mykar. Vom eigenen Vater und allen Bewohnern verachtet, hat er nur einen Freund: Cay, den Sohn des Dorfpriesters. Als eine Reihe grauenvoller Verbrechen geschieht, machen die verzweifelten Bauern Mykar zum Sündenbock. Sie knüppeln ihn nieder und verscharren ihn im Wald – alle halten ihn für tot. Als Jahre später Cay des Mordes an einem Adligen beschuldigt wird, ist für Mykar die Zeit gekommen zurückzukehren. Verbündete findet er in dem versoffenen Adligen Justinius, dessen verrückter Magd Scara und einer geheimnisvollen Schönen. Keiner von ihnen ahnt, dass viel mehr auf dem Spiel steht als Cays Leben."

Was ist das Besondere an diesem Buch? 

Auf den ersten Blick mag die Geschichte sehr gewöhnlich klingen: Jugendlicher Held begibt sich auf eine Queste um etwas Gutes zu bewirken. Einerseits stimmt das. Andererseits könnte es falscher nicht sein. Die Unterschiede beginnen schon mit der sehr finsteren Stimmung. Die Welt - und vor allem der Teil, den der Leser erleben darf - ist voll von Geistern, Untoten, Ghoulen und noch schlimmeren. Vor allem macht aber der "Held" Mykar den Unterschied aus. Mykar ist kein strahlender Held. Eigentlich ist er gar kein Held. Viele würden in ihm sogar etwas böses sehen und damit sind wir an einem Punkt, der meines Erachtens gute von schlechten Fantasyromanen trennt. Während in schlechten Romanen das Gute gegen das Böse kämpft, sind gute Romane voller Graustufen. So auch hier.

Fazit: Skargat ist ein intelligenter Fantasyroman mit einer düsteren Stimmung. Auch wenn es noch früh im Jahr ist: Skargat ist für mich jetzt schon ein heißer Anwärter auf den deutschen Phantastikpreis. 

Wertung: 5/5 Sternen

Vielen Dank an Lovelybooks für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars. 

[REZENSION] Das Feuer des Mondes


DAS FEUER DES MONDES ist ein Fantasy-Spielbuch aus dem Manticore-Verlag. Geschrieben wurde es von den Brüdern Christian und Florian Sussner und ist das Erstlingswerk der beiden.

Was ist eigentlich ein Spielbuch? 

Ein Spielbuch ist eine Mischung aus Roman (Buch) und Spiel. Man liest eine Geschichte und wird dann immer wieder aufgefordert Entscheidungen zu treffen und je nach Wahl in bestimmten Abschnitten weiterzulesen. (Der Wikipediaartikel "Spielbuch" enthält ein schönes sieben Abschnitte langes Beispiel, das diesen Grundmechanismus sehr gut illustriert.) Außerdem gibt es häufig - so auch hier - noch einige einfache Regeln, die zum Beispiel dazu dienen mit Würfeln die Ergebnisse von Kämpfen zu ermitteln.

Worum geht es inhaltlich?

Das Buch versetzt den Leser in die Rolle eines jungen Nachtwächters in einer mittelalterlichen Fantasywelt. Dieser versieht seinen Dienst in einer Stadt, die zwischen zwei Wäldern gelegen ist. Im Süden gibt es einen tropischen und gefährlichen Feenwald und im Norden einen frostigen Wald, in dem schon immer böse Dinge passieren. Eines Nachts eilt der Nachtwächter einem Bürger, der angegriffen wird, zu Hilfe und gerät so in einen Kampf mit einem mysteriösen Schattendiener, der ihn im Laufe des Kampfes verflucht. Durch diesen Fluch wird der junge Nachtwächter dann in die Dinge in und um seine Stadt hineingezogen. Bald stellt sich heraus, dass er den Fluch nur brechen kann, wenn das Böse im Norden besiegt wird und so geht es dann zunächst auf der Suche nach einer "Waffe" in den Süden und später auch in den Norden.

Was ist besonders gut gelungen an diesem Buch?

Vieles! Die Regeln sind wirklich sehr einfach und werden während des Lesens, sobald sie benötigt werden, Schritt für Schritt vermittelt. Während der Reisen durch die Wälder zeichnet man Wegpunkte in Karten ein und darf später mittels eines Teleportationsrings zu bereits besuchten Orten zurückkehren. Wer bereits andere Spielbücher kennt, wird das zu schätzen wissen, da es sonst sehr mühselig ist Orte ein zweites Mal zu besuchen. Auch ermöglicht der Ring es sich aus tödlichen Situationen (außer Kämpfen) zu retten. Überhaupt ist das Buch so konzipiert, dass man das Abenteuer durchaus im ersten Anlauf schaffen kann und man nichts zwangsweise 10-20 mal sterben muss, bevor man es einmal schafft. Gelungen ist auch, dass man zwischen verschiedenen Charakterklassen wählen kann. Am Anfang gibt es zwei. Eine ist sehr anfängerfreundlich und verbessert einfach nur ein paar Werte und die andere ist etwas komplexer zu spielen, macht das Abenteuer aber einfacher, wenn man es versteht seine Sonderfertigkeiten richtig einzusetzen, indem man die Würfelwahrscheinlichkeiten richtig einschätzt.

Was ist weniger gut gelungen?

Die Geschichte verläuft sehr stark nach dem klassischen Questmuster: Junger Held muss das böse besiegen aber vorher noch die passende "Waffe" besorgen. Insbesondere im Nordwald ist die Story schon arg dünn. Hier reiht sich einfach nur eine seltsame Begegnung an die nächste. Im Südwald ist die Geschichte zusammenhängender und in der Stadt hat sie durchaus Romanniveau. Außerdem gibt es einige kleine Fehler, wie z.B. eine Stelle an der man sich beliebig oft voll heilen kann. Sehr problematisch finde ich auch zwei Rätsel, die darauf hinauslaufen, dass man den Abschnitt lesen soll, die der Zahl, die die Lösung des Rätseln ist, entspricht. Hier kann man in fast jedem beliebigen Abschnitt landen und merkt unter Umständen gar nicht, dass man nicht die richtige Lösung hatte. Auch die Karten, in die man die Wegpunkte einzeichnet sind teilweise nicht eindeutig. Es gibt mehrere Stellen an denen man sich leicht um eine Zeile oder Spalte vertun kann.

Fazit: DAS FEUER DES MONDES ist ein gelungenes Spielbuch, das vieles richtig macht. Die Story ist OK. Für einen Roman fände ich sie etwas zu dünn aber für ein Spielbuch völlig in Ordnung. Auch sprachlich ist das Buch sicherlich keine Offenbarung aber auf einem guten Spielbuchniveau. Kurz und gut: Das Buch macht Spaß, bietet das, was man von einem Spielbuch erwartet und macht - ich wiederhole mich - vieles richtig.

Wertung: 4/5 Sternen

Vielen Dank an Lovelybooks für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

[REZENSION] What if? Was wäre wenn?


Der Physiker Randall Muroe erlangte zunächst einige Bekanntheit durch seinen beliebten Webcomic "xkcd". Schon hier hat er sich immer wieder auch mit physikalischen Fragen beschäftigt. Als er immer mehr Fanpost mit physikalischen Fragestellungen bekam, war der Blog "what if?" für ihn eine logische Konsequenz. Dort hat er sich ausführlicher mit diesen Fragen beschäftigt als er das im Webcomic gekonnt hätte. Mittlerweile (Stand: Februar 2015) hat er dort 129 Fragen beantwortet. Die besten Beiträge und einige neue sind nun in Buchform erschienen und somit erstmalig auch Lesern zugänglich, die des Englischen nicht mächtig sind.

Die Fragen, mit denen er sich beschäftigt, sind, wie es sehr treffend auf dem Cover heißt, absurd und hypothetisch: Was würde passieren, wenn man einen Baseball auf 90% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Kann man ein Jetpack aus Maschinengewehren bauen? Ist ein U-Boot als Raumschiff nutzbar? Und und und...

Die Antworten auf alle Fragen sind wissenschaftlich fundiert. Im Anhang führt Munroe dann auch ganz wissenschaftlich alle Quellen auf, die er verwendet hat. Trotzdem sind manche Fragen natürlich so absurd, dass er sich gewisser Annahmen bedienen kann. Trotzdem möchte ich meinen, dass man die Fragen nicht wissenschaftlicher hätte beantworten können. Munroes Antworten sind aber nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch sehr unterhaltsam formuliert. Wer den Stil von "xkcd" mag, wird auch durch dieses Buch gut unterhalten werden.

Zum Schluß noch eine kleine Einschränkung. Munroe bemüht sich sehr, seine Antworten auch für Laien verständlich zu machen. Trotzdem sollte man natürlich ein gewisses Interesse an Naturwissenschaften mitbringen.


Fazit: Ein grandioses Buch für alle jene humorvollen Menschen mit Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen.

Wertung: 5/5 Sternen

[REZENSION] Fragen Sie Erkül Bwaroo!


"Fragen Sie Erkül Bwaroo!" ist der dritte Band einer phantastischen Detektivreihe von Ruth M. Fuchs. Im Mittelpunkt steht der elfische Detektiv Erkül Bwaroo. Agatha Christie Fans werden bei diesem Namen zwangsläufig an Hercule Poirot denken müssen und das ist auch durchaus beabsichtigt, da die Reihe als Hommage an Agatha Christie konzipiert ist.

Dieser Band enthält sieben Geschichten. Vier davon sind mehr oder weniger eng an Märchen angelehnt, eine relativ direkt an eine Agatha Christie Erzählung, eine an ein altes Kinderbuch und eine an ein altes Gedicht.

Die Kriminalfälle sind alle gut konzipiert und logisch. Insbesondere die Geschichte "Ein unmöglicher Mord", in der es um ein klassisches "locked room mystery" (einen Mord in einem verschlossenen Zimmer) geht, möchte ich in diesem Zusammenhang lobend erwähnen. Hier werden dem Leser alle Fakten präsentiert, mit denen er den Fall selbst lösen könnte, aber auf eine Art und Weise, dass es ihm wahrscheinlich nicht vor der Auflösung gelingt. In den anderen Geschichten gelingt dies mal mehr und mal weniger gut.

Grundsätzlich funktioniert der Mix aus Märchen und klassischem Krimi ziemlich gut. So erzählt zum Beispiel die erste Geschichte das Märchen vom Rotkäppchen aus der Sicht des Detektives, der hinterfragt, ob der Wolf tatsächlich der Mörder war. In anderen Geschichten macht der Mix allerdings nur wenig Sinn. In der schon erwähnten Erzählung "Ein unmöglicher Mord" sind die Handelnden teils Elfen (der Detektiv) und teils Zwerge. Leider ist das für die Geschichte aber völlig ohne Belang, da sich alle wie ganz gewöhnliche Menschen verhalten. Insbesondere fragt man sich immer wieder, warum Bwaroo ein Elf ist. Abgesehen davon, dass er einmal zwischen unserer Welt und der Märchen-Parallelwelt wechselt, spielt dieses Detail nämlich an keiner Stelle eine Rolle.

Die sprachliche Qualität bleibt leider deutlich hinter der inhaltlichen zurück. Einfach gesagt, ist das Buch komplett in Umgangssprache verfasst. Viele Regeln der Schriftsprache (Satzbau, Zeichensetzung,...) werden regelmäßig ignoriert.

Abschließend möchte ich noch kurz darauf eingehen, ob das Buch die Erwartungen erfüllt, die der Klappentext weckt. Der Klappentext verspricht "eine humorvolle Hommage an die Kriminalautorin Agatha Christie und ihren berühmten belgischen Detektiv". Ich bin kein großer Agatha Christie Kenner, habe aber durchaus den Eindruck gewonnen, dass das Buch eine gelungene Hommage ist. Als besonders humorvoll habe ich das Buch allerdings nicht empfunden.

Fazit: Alles in allem ein Buch, dass man durchaus lesen kann, wenn man klassische Krimis und Märchen bzw. Phantastik im allgemeinen mag.

Wertung: 3/5 Sternen


Vielen Dank an Lovelybooks für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

[REZENSION] Der schwarze Obelisk

"Scheltet nicht, wenn ich einmal von alten Zeiten rede. [...] wenn ich einmal zurückgehe zu den sagenhaften Jahren, als die Hoffnung noch wie eine Flagge über uns wehte und wir an so verdächtige Dinge glaubten wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz - und auch daran, dass ein Weltkrieg genug Belehrung sein müsse für eine Generation..."



Mir diesen Worten leitet Erich Maria Remarque seinen Roman "Der schwarze Obelisk" ein. Wie die meisten seiner Romane ist auch dieser stark von seinen eigenen Erlebnissen geprägt. Er war selbst im ersten Weltkrieg an der Westfront, wurde danach Volksschulleher in Norddeutschland, verdingte sich als Agent für Grabsteine, spielte Klavier im "Irrenhaus" und wurde schließlich Zeitungsredakteur. 1933 - im selben Jahr in dem in Deutschland seine antimilitaristischen Bücher verbrannt wurden - zog er in die Schweiz und entging so dem schlimmen Schicksal, das ihm im nationalsozialistischen Deutschland gedroht hätte.

"Der schwarze Obelisk" wird aus der Sicht des Grabsteinverkäufers Ludwig erzählt. Das Jahr ist 1923 - der Beginn der großen Inflation. Ludwig trauert seiner durch den Krieg verlorenen Jugend nach, sucht den Sinn des Lebens und auch seine große Liebe.

Diesen Roman kann man (natürlich) auf verschiedenen Ebenen lesen und verstehen. Schon die "oberflächlichste" Ebene hat unglaublich viel zu bieten. Remarque zeichnet ein sehr verständliches Bild von dieser Zeit und macht es dem Leser leicht diese und viele ihrer Probleme zu verstehen: Wie wirkte sich die Inflation auf das tägliche Leben aus? Wie konnte es so kurz nach dem ersten Weltkrieg schon wieder zu einer starken nationalistischen Bewegung kommen? Und und und... Auch Ludwigs Gedanken zu verschiedenen Themen (Kirche, Sinn des Lebens, Nationalgefühl,...) sind spannend und lehrreich.

Aber natürlich muss man nicht bei dieser Ebene des Verstehens bleiben. Vieles lässt sich hinterfragen. Schon alleine die Frage, wofür der nicht nur im Titel vorkommende schwarze Obelisk steht, führt zu vielen interessanten Antworten. Den Einstieg in so eine tiefer gehende Betrachtung, erleichtert ein 28-seitiges Nachwort von Tilman Westphalen (KiWi Ausgabe von 2014).

Fazit: Mich hat dieser Roman, genau wie die anderen Romane, die ich von Remarque bislang gelesen habe ("Im Westen nichts Neues" und "Der Weg zurück") sehr fasziniert. Schon alleine um nachvollziehen zu können, was die damalige Inflation für die Menschen bedeutet hat, lohnt es sich dieses Buch zu lesen. Und dabei ist diese eigentlich nur ein kleines Nebenthema... Wer mehr über die Zeit zwischen den Kriegen lernen und sich zum kritischen Nachdenken anregen lassen will, ist mit diesem Buch bestens bedient.


Wertung: 5/5 Sternen

Dienstag, 24. März 2015

[1. Post] Herzlich Willkommen!

Herzlich willkommen auf meinem Blog! 


Was ist die "Bibliothek von Imre"? 

Imre ist eine fiktive Stadt in der Königsmörder-Trilogie von Patrick Rothfuss. Direkt an diese Stadt grenzt eine Akademie mit einer riesigen Bibliothek. Diese ist zwar genau genommen nicht "in" Imre, sondern nur sehr nah "an" Imre aber das weiß der jugendliche Protagonist, der von dieser Bibliothek träumt noch nicht.

Da Fantasy/Phantastik mein Lieblingsgenre und Patrick Rothfuss im Moment mein Lieblingsautor ist, fand ich den Namen sehr passend. Alternativ wären die "Bibliothek der Unsichtbaren Universität" oder die "Bibliothek vom Arkham" auch noch sehr passende Namen gewesen, da sie auf zwei meiner toten Lieblingsautoren verwiesen hätten. Da ich aber die klassische Fantasy mehr in den Vordergrund stellen wollte als Humor und Horror, ist es Imre geworden.

Womit wird sie sich füllen?


Hauptsächlich plane ich hier Rezensionen zu posten. In den nächsten Tagen, werde ich die eine oder andere schon geschriebene Rezension online stellen; später dann aktuelle Rezensionen zu frisch gelesenen Büchern.

Außerdem wird es auch den einen oder anderen Beitrag mit meinen sonstigen Gedanken zum Thema Bücher und/oder Fantasy geben.

Und nun?


Viel Spass mit dem noch nicht - aber wenn du es liest vielleicht schon - vorhanden Inhalt!